“Shared Space” Straßenprojekte, bald auch in Köln?

Shared Space EU-Projekt in Bohmte

Zur Zeit ist ein Thema in aller Munde: “Shared Space” Straßenbauprojekte verbreiten sich immer weiter in Deutschland nachdem sie in einigen Städten [Liste der Städte] erfolgreich eingeführt wurden. Nun steht auch in Köln ein solches Projekt zur Debatte. Laut Kölner Stadtanzeiger [Artikel vom 14.10.2009] soll möglicherweise dieses Jahr die Ehrenstraße zum “Shared Space” werden. Auf meine Anfrage zum Thema hat das Kölner Amt für Straßen und Verkehrstechnik leider bisher nicht geantwortet. Sollte das noch passieren werde ich hier die Infos nachtragen. (Edit 01.02.2012: Mail vom Kölner Amt für Straßen und Verkehrstechnik: “Bauliche Veränderungen sind erst ab 2014 vorgesehen; zur Zeit wird die Planung abgestimmt.”)

 

Doch zuerst möchte ich erklären was “Shared Space” genau ist.

 

“Shared Space” wurde ursprünglich unter anderem von Hans Monderman [http://www.oiav-ooe.at/oiavInfoEintragDatei_5.pdf] erdacht. Von 2004 bis 2008 wurde die Idee als EU-Projekt im Rahmen des Infrastrukturförderprogramms INTERREG North Sea Region Programme in Friesland (Mondermans Heimat), Großbritannien, Belgien, Dänemark und Deutschland umgesetzt. Grob umrissen lässt sich das Projekt so umschreiben: Der Verkehrsraum wird nicht wie bisher unter den Verkehrsteilnehmern durch bauliche Maßnahmen wie Bürgersteige oder Beschilderung strikt getrennt. Stattdessen existieren alle nebeneinander auf derselben Fläche. Menschen laufen zwischen Autos, Radfahrer fahren kreuz und quer, Tische und Stühle von Cafés und Verkaufsflächen dazwischen. Das gewünschte Resultat ist simpel und nachvollziehbar: Statt dass Autofahrer Schilder beachten müssen die Ihnen eine mögliche Gefahr zeigen oder worauf sie Rücksicht nehmen müssen soll Ihnen ihre Umgebung ein bestimmtes Verhalten von alleine nahelegen. Spielen Kinder auf der Straße und überqueren Menschen den Weg, herrscht also geschäftiges Treiben, und sind dabei keine Bürgersteige in Sicht, so geht der Autofahrer automatisch vom Gas. Wer jetzt denkt dass dies zu vermehrten Unfällen führt wird eines Besseren belehrt. In Bohmte, einer der Versuchsorte, stieg die Unfallhäufigkeit nicht. “[...]Wo in den Vorjahren ca. 30 – 40 Unfälle passiert sind, sind seit der Öffnung des Shared Space-Bereichs im Mai 2008 bisher “nur” Bagatellunfälle (also keine Verkehrsunfälle mit Personenschaden) passiert, wobei keiner originär auf das Shared Space-Prinzip zurückzuführen ist.” [Website der Stadt Bohmte] Allerdings sollte man dazusagen: Einen Rückgang kann man auch nicht erwarten.

 

Warum das Ganze funktionieren muss war mir sofort klar – aus ganz eigener Erfahrung.

 

Was hier als neues Konzept gepriesen wird ist das, was in Ländern wie der Türkei immer schon üblich war. In der Türkei gibt es zwar immer mehr Bürgersteige (die dazu auch noch ca. doppelt so hoch sind wie hier, so dass Autos nicht halb auf dem Bürgersteig parken können) doch trotzdem wartet man als Fussgänger selten auf grüne Ampeln. Doch auch darauf dass die Straße frei wird wartet man nicht. Man geht einfach los und bewegt sich Stück für Stück zwischen den Autos durch. Das funktioniert weil die Autofahrer bewusst damit rechnen dass überall Menschen zwischen den Autos sind und somit falls nötig auch vom Gas gehen. Natürlich ist es ein großes Chaos mit viel Gehupe, doch wenn man lernt mit der Situation umzugehen kann man sich relativ natürlich auch über mehrspurige Straßen bewegen.
Während die Türkei dem europäischen Vorbild folgt und inzwischen mit hüfthohen Barrieren zwischen den beiden Richtungsspuren den einfachen Straßenseitenwechsel zu verhindern versucht wird in Europa eine Neuinterpretation dieser Idee versucht, die jedoch den Sicherheitsgedanken nicht vernachlässigt.

 

Ohne weiteres kann man sich hier nicht wie in der Türkei benehmen.

 

Oft denke ich mir genau das wenn ich in einer deutschen Stadt versuche von Punkt A zu Punkt B zu kommen. Versucht man es auf die “anatolische Art” muss man schnell damit rechnen unter einem Auto zu landen. Weil hier alles sehr genau geregelt ist, durch Bürgersteige, Fahrradwege, Ampeln und Schilder, kennt jeder seine eigenen Rechte und – da fängt das Problem an – besteht auch darauf. Das führt dazu dass man als Fußgänger beim Umspringen der Fussgängerampel auf Rot schnell von einem Autofahrer bedrängt wird und beim Überqueren einer Straße an einer Stelle ohne Zebrastreifen nicht damit rechnen kann, dass ein Autofahrer bremst. Ob er einfach an dieser Stelle gar nicht erst mit einem Menschen auf der Straße rechnet oder sich nur denkt er dürfe auf seiner Straße fahren (Vorfahrt!) und der Fussgänger solle warten, sei mal dahingestellt. Andererseits kann man sich natürlich als Fussgänger auch sicher sein bei jedem Zebrastreifen unbehelligt über die Straße zu kommen. Hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

 

Betrachtet man als Beispiel die Ehrenstraße in Köln ist das Problem sofort sichtbar.

 

In der Ehrenstraße fahren die Autos in einer Richtung. Auf einer seite wird geparkt. Auf beiden Seiten der Straße sind Boutiken, Geschäfte und Cafés. Die Bürgersteige auf beiden Seiten sind an der breitesten Stelle so, dass zwei Personen nebeneinander gehen können, an der schmalsten Stelle so, dass man eher auf die Straße ausweicht. Dass hier überhaupt Autos fahrenist möglicherweise ein unvermeidbares übel. Doch zum entspannten flanieren ist die eigentlich sehr angesagte Straße nicht geeignet. Der Blick muss immer nach hinten gehen ob gerade ein Auto angefahren kommt. Idealerweise wäre diese Straße eine reine Fussgängerzone. Ich spekuliere: Würde diese Straße zu “Shared Space”, so würden die Bürgersteige verschwinden, die gesamte Straße würde gepflastert werden, sogut wie alle Schilder würden entfernt werden und Tische und Bänke würden in die Fahrfläche ragen. Autofahrer wären automatisch dazu gezwungen vom Gas zu gehen, würden dies aber auch als selbstverständlich ansehen da ihre Umgebung nicht eine “Autostraße” suggeriert. Sie wüssten einerseits dass sie ungehindert die Straße zum befahren verwenden können, andererseits aber auch sich dem Geschehen auf der Straße anpassen sollten.

Tempolimits an solchen Straßen werden oft mißverstanden. Steht dort 50km/h als Limit wird dies als: “Hier fahre ich 50, egal was kommen mag” interpretiert statt als “sollte die Situation es erfordern fahre ich auch mal 20″. Durch den Wegfall der Beschilderung ist der Fahrer gezwungen seine mögliche Geschwindigkeit aus seiner Umgebung abzuleiten. Das Resultat des Ganzen soll ein relaxtes Beisammensein aller Verkehrsteilnehmer sein.

Eigentlich kennt man es in Deutschland schon von der Spielstraße bzw. der verkehrsberuhigten Zone. Doch sind dies meist nur kleine Sträßchen in Anwohnergebieten. Jetzt soll das Prinzip eben in großem Maße angewendet werden.

Doch was noch passieren muss ist eine Anpassung der Denkweise der Bürger: “Das Verkehrsverhalten der Verkehrsteilnehmer orientiere sich stark an konventionellen Verhaltensmustern: Die Kfz benutzen die Straße, die Fußgänger den Gehweg und die Radfahrer tendenziell eher den Gehweg. Im Rahmen der Untersuchungen wurde häufig ein Stocken des Verkehrs beobachtet, teilweise durch zögerliche Fahrweise.” [Wiki: Shared Space in Bohmte]

Ausführliches PDF zum Thema bei Mobilität21

Bildquelle: Wikipedia | Bohmte, Shared Space Kreuzung, 2008 | Urheber: Milchlieferrant

Straßensichtung: Der erste BMW 1er 2012

BMW 1er neues Modell 2012

Da bin ich vergangenes Wochenende unterwegs und mir begegnet der erste neue 1er den ich gesehen habe. Praktischerweise direkt mit einem alten 1er direkt daneben und – oh! – auch direkt in der gleichen Farbe. Macht das das Vergleichen nicht schön einfach? Ich konnte mir das Heck von beiden in Ruhe ansehen, bei der Weiterfahrt dann auch die Front des neuen 1ers etc.

In real life sehen die Autos ja doch immer ne ganze Ecke anders aus als auf Fotos. Man denke an einen foto-hässlichen Panamera der in echt dann doch beeindruckend ist. Desweegn ist hier der erste Eindruck ganz entscheidend.

Hier auf dem Foto erkennt man schön die “polo-isierung” des neuen Hecks. Oder täusche ich mich? Die Heckleuchten sehen doch fast genauso aus wie beim VW Polo? Trotzdem: Die Dimensionen der Rücklichter insgesamt passen sehr viel besser zum Auto. So gut wie bei 1er Coupe (altes Modell) sind sie aber trotzdem nicht.

Es ist schrecklich dass sich alle Modelle der Golfklasse immer mehr aneinander annähern. Besonders was die Optik angeht. Die Front des 1ers zieren zwei riesige Scheinwerfer – wirklich schon übertrieben groß. Vermutlich muss man sich langsam dran gewöhnen, ich stehe da nicht so drauf.

Im Verlauf der Woche habe ich übrigens noch 3 neue 1er gesehen. Er scheint sich also zu verbreiten.