Fahrbericht Audi A1 1.4 TFSI S line: Der Jung’ hat’s eilig

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Aussen, Teaser

Wieso es ihm nie schnell genug geht? Ganz einfach: Wenn es ein Auto auf dieser Welt “gefühlt” eilig hat, dann ist es der kleine, kleinste Audi mit seinem 185PS-Herz. Er will nicht langsam, er will nicht gemütlich. Er will *vrmmvrmm* wie die MINIs in “The Italian Job” um die Ecken carven und sich in jede kleine Lücke zwischen zwei Fahrzeugen kuscheln. Mit Stummelhintern und kurzem Radstand, mit einem Turbo und einem Kompressor und mit jeder Menge Spritzigkeit.

Irgendwie kann man sich nicht entscheiden, ob man den Kleinen einfach knuddeln soll oder ob er eher der Typ ist, der einen Schulterklopfer vorzieht. Das Äußere spricht für ersteres, der Antrieb eher für letzteres.

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Aussen, Vorne Rechts Kölner City

Außen: Losknuddeln

Das Äußere des A1 spiegelt das bekannte Markenbild von Audi wieder. Ein geschrumpfter A3. Alles ist ein wenig gedrungener, der Radstand kleiner, die Überhänge kürzer, die Scheinwerfer bzw. die Front des A1 inklusive Singleframe-Grill entspricht etwas mehr dem Kindchenschema. Er könnte fast in die Hosentasche passen. Die durchschnittliche Parkfläche ist ihm jedenfalls zu groß. Mir gefällt der A1. Besser als der A3. Ein stylischer Kleinwagen, dessen Design auf das nötigste reduziert ist. Und das ist – so wissen wir seit dem iPhone – große Kunst. Einzig der MINI beschränkt sich auf noch weniger Linien. Aber, bitte, liebe A1 Besteller: Verzichtet auf das aufpreispflichtige, aus Designersicht (das bin ich) äußerst hässliche Decalset. Damit sieht der A1 nach Baustellenfahrzeug aus, wenn ihr mich fragt. Lieber schön schwarz, weiss oder rot. Ohne irgendwelche Aufkleber bitte.

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Aussen, Vorne Rechts auf Straße

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Aussen, Hinten Rechts auf Straße

Innen: Schulterklopfer

Einsteigen: Alles ist wie von Audi gewohnt. Einen richtigen, breiten Mitteltunnel zwischen den vorderen Sitzen gibt es hier allerdings aus Platzmangel nicht. Die Handbremse versteckt sich unter der kleinen Armlehne, die Schaltung ist weit unten. Eigentlich wie von Kleinwagen gewohnt. Nur führt dies dazu, dass die Bedienelemente des MMI auf das Armaturenbrett wandern. Dadurch entfällt das entspannte Scrollen durch die Menüs mit Arm auf der Armablage. Ansonsten muss man im A1 keine Kompromisse eingehen. Von Innen steht er seinen großen Brüdern in nichts nach. Von Audi gewohnte Top-Verarbeitung, Tasten mit einem tollen mechanischen Feedback, Oberflächen mit sehr guter Haptik, bequeme Sitze in Stoff-/Lederkombination. You name it.

Die Bedienung im Audi macht Spaß und bietet etwas für alle Sinne. So auch für die Ohren. Die Bose Anlage glänzt mit einem präzisen Bass und einem tollen Ansprechverhalten, die Mitten sind nicht zu aufdringlich, einzig die Höhen werden nicht sonderlich liebevoll wiedergegeben. Dieses Bild bessert sich jedoch bei sehr hoher Lautstärke drastisch. Daher mein Tipp: Die Anlage immer schön weit aufdrehen. Das Album “Cognitive” von Soen war mit der Bose-Anlage jedenfalls die reinste Freude.

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Aussen, Frontal, dynamisch, Tagfahrlicht

Antrieb: Boxfight

185PS Vierzylinder Benziner mit Kompression und Aufladung. Damit wird dem Motor ein zweites und ein drittes Leben eingehaucht. Er wirkt hochgedoped und ständig angespannt. Wäre dieses Treibwerk ein Mensch, würde er einen vermutlich zwischendurch grundlos anschreien, hätte einen nervösen Blick und ein Aufmerksamkeitsproblem. Er reagiert so verzögerungsfrei auf den Gasbefehl und das dann mit einem solchen Nachdruck, dass es eine große Freude ist auch bei geringen Geschwindigkeiten den A1 um die Ecken zu scheuchen. Am liebsten würde man um jeden anderen Verkehrsteilnehmer Kreise ziehen. Über meinen Testzeitraum kam dabei ein Durchschnittsverbrauch von 7,9 Litern Superbenzin auf 100km zusammen. Viel für ein kleines Auto, wenig wenn man bedenkt wie sportlich man damit unterwegs sein kann.

Zu diesem Motor hinzu kommt noch die S-tronic 7-Gang Automatik. Das in einem Kleinwagen! Das Doppelkupplungsgetriebe ermöglicht Beschleunigungsorgien ohne Zugunterbrechung, einzig der Drehzahlmesser zuckt schlagartig nach unten. Wählt man den S-Modus, wird das gesamte Drehzahlband ausgenutzt, bevor der automatisierte Gangwechsel stattfindet. Zusätzlich kann man über Schaltpaddel am aufpreispflichtigen 3-Speichen-Lenkrad die Gänge wählen.

Wäre der A1 quattro nicht weltweit auf 333 Stück limitiert, würde ich sagen “Leute, denkt darüber nach, noch mehr zu zahlen und dafür Allradantrieb zu haben”. Es ist nicht so, dass Antriebseinflüsse störend an der Lenkung zu merken sind. Doch man spürt sie selbstverständlich. Und bei einem solch fahraktiven Fahrzeug wie dem A1 S line wäre quattro das Tüpfelchen auf dem i.

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Aussen, Nahaufnahme Xenonscheinwerfer

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Aussen, Froschperspektive Front, Frontschürze

Gesamtpaket: Schwere Entscheidung

Der A1 1.4 TFSI S line ist ein Spaßgefährt. Ein kleines Auto, das nicht nach dem aussieht, was es bietet. Möglicherweise sogar der oft zitierte Wolf im Schafspelz. Es macht Spaß die eine oder andere Businesslimousine auf der Autobahn mit einem Kleinwagen zu versägen. Und in der Stadt kommt man mit dem A1 in so kleine Parklücken, wie ich es lange schon nicht mehr erlebt habe. 15-20cm vorne und hinten. Reinfahren in zwei Zügen, Rausfahren dank PDC ohne hinsehen zu müssen. Beide Aspekte des A1 haben Vorteile, das ist nicht von der Hand zu weisen.

Aber 34.000 Euro für den A1 in der getesteten Ausstattung? Das ist verdammt viel Geld. Besonders natürlich für einen Kleinwagen. Da ist man längst in Golfklassen-Regionen. So dürfte dieser Preis den A1 für diejenigen attraktiv machen, die speziell nach einem flinken Knirps suchen, der seinen ganz eigenen Suchtfaktor hat (übrigens einen anderen als flache Sportwagen). Doch für junge Leute, trendige Großstädter, ist der Preis wohl grenzwertig. Bei mir hat der Kleine jedenfalls Eindruck hinterlassen.

Interessante Artikel meiner Mitblogger zum Thema:

Sebastian beleuchtet den A1 aus seiner typischen fahrdynamisch-technischen Warte (sehr lesenswert!) und bei Jens gibt es ein Video zu eben diesem A1

Das Testergebnis gibt es wie immer nach den Bildern.

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Innen, Cockpit komplett

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Innen, Rückbank und Rücksitz mit Kindersitz, Mittelkonsole mit S-tronic

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Innen, Klimaregler Drehknöpfe

Audi A1 1.4 TFSI S line 2012: Testurteil, Zusammenfassung

7 Gedanken zu “Fahrbericht Audi A1 1.4 TFSI S line: Der Jung’ hat’s eilig

  1. Die Bewertung verstehe ich nicht so ganz, da der Artikel und das Fazit ja doch recht positiv klingen.
    Oder gibt es 5 Punkte Abzug nur aufgrund des Preises?

    mfg,

    Robert

  2. Hallo Robert,

    genau so ist es. Das Auto selbst ist toll – so wie im Artikel geschrieben. Doch der Preis ist für ein solch kleines Auto einfach VIEL zu hoch. Natürlich, es ist Premium. Vergleicht man es aber mit der Kleinwagenkonkurrenz, so erhält man auch für weniger Geld viel Auto. Bei dem Preis misst sich der A1 mit dem Mini Cooper S. Der bietet für den Preis jedoch einen gewissen Kultfaktor, der sich auch im Wiederverkaufswert wiederspiegelt.

  3. Pingback: Fahrbericht zum Audi A1 1.4 TFSI S line : bycan

  4. Hi Can,

    erstmal vielen Dank für den Artikel und die tollen Bilder!

    Frage dazu: Hast du Hintergrundinfos, warum Audi wieder bei BOSE gelandet ist?
    Nach meinen Informationen war das ja vor ein paar Jahren der Standardpartner, aber dann ist BOSE gerade bei den Audiwagen total in Verruf gekommen (die damaligen Forenbeiträge waren mehr als vernichtend). Als dann Audi mit B&O die Partnerschaft eingegangen ist, war das für mich (vor den Informationen, die ich hatte) der logische Schritt – und auch die Reaktionen im Internet und in der Presse lobten diese Sound-Systeme in den höchsten Tönen.
    Von daher wundert mich, dass wieder BOSE verbaut wird.

  5. Hallo Kowalski,

    vielen Dank für deinen Kommentar! Um ehrlich zu sein war mir die Thematik – bis du es jetzt auf den Tisch gebracht hast – fremd. Ich werde mal versuchen da genaueres herauszufinden. Vielleicht gibt es etwas Interessantes dazu zu sagen… Könnte mir aber vorstellen, dass es einfach eine Ausschreibung gab und Bose wieder gepunktet hat. Wir werden sehen! Ich melde mich, wenn ich genaueres erfahren sollte.

  6. Pingback: » Test & Fahrbericht: Audi A1 1.4 TFSI – Einführung, Daten & Fakten - autoaid.de blog

  7. Pingback: Audi A1 1.4 TFSI Ambition S tronic im Fahrbericht › Motoreport

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