Fahrbericht Nissan Juke TEKNA 1.6: Motorboot für die City

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen Teaser

FOTOS: Can Struck TEXT: Can Struck
Warum Motorboot?

 

Das soll nicht abwertend klingen. Ich finde ein Motorboot wie eine Riva Florida hat etwas edles, anmutiges. Ganz allein auf einem großen See, die Wellen schlucken und über den Bug auf das Wasser hinausblicken. Das ist das Gefühl, das der Juke vermittelt.

Damit habe ich anfangs nicht gerechnet. Ich dachte eher “sportlich, klein, handlich”. Damit liegt man auch nicht wirklich falsch. Doch sobald man hinter dem Steuer sitzt, nach vorne durch die große Frontscheibe auf die Motorhaube mit der sonderbaren Quermulde direkt an der Scheibe blickt – sobald man das Licht einschaltet und es gelblich in den vom Fahrerplatz nur knapp sichtbaren Klarglasscheinwerfern an den Ecken der Motorhaube glimmt, versteht man was ich meine. Das stufenlose Automatikgetriebe CVT passt auch zu diesem “Florida”-Charakter. Genauso die enorme Kopffreiheit und das Gefühl von viel Platz um sich.

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen Vorne Links vor Tor

Die Fahrer-Auto-Wirkung

 

So habe ich die vielen Kilometer in der Stadt und auf der Autobahn extrem relaxed angehen lassen. Kennt ihr das? Jedes Auto hat einen bestimmten Einfluß auf den Fahrer. Unabhängig von Motorisierung oder äußerem Erscheinungsbild. Es hängt von vielen Faktoren gleichzeitig ab. Wodurch es verursacht wird bleibt mir ein Rätsel.

Mit dem Juke hatte ich nie das Gefühl gasgeben zu müssen, zu drängeln oder spritzig zu fahren. Er unterstützt durch seine Art eine gleichmäßige Fahrweise, immer schön mit Platz vor und hinter einem. Bei einem stressigen Alltag eine wahre Wohltat. Dass er trotz dieser gleichmäßigen Fahrweise am Ende nach etwa 700km bei einem Schnitt von 10,1 Litern landet ist heftig.

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen Vorne Rechts Front und Scheinwerfer

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen Heck und Heckleuchte Impressionen

MFG (Motor, Fahrwerk & Getriebe)

 

Gut, es sind 190PS, 1.6 Liter Hubraum und 7 Sekunden für den Spurt von Null auf Hundert. Das bezeichne ich als ordentliche Fahrleistungen. Mit dem Juke 1.6 kann man auch deutlich mehr als nur im Verkehr mitschwimmen. Trotzdem: Der Verbrauch ist hoch, auch ein hohes Grundgewicht und der zuschaltbare Allradantrieb und das damit wiederum verbundene Gewicht sollten den Verbrauch nicht so extrem in die Höhe schnellen lassen. Wohlgemerkt: Mit Allradantrieb bin ich von der Gesamtstrecke vielleicht 10km gefahren. Da wird der Juke Diesel direkt attraktiver.

Zum Fahrwerk kann ich nur vier Sätze sagen: Es ist mir zu keiner Zeit negativ aufgefallen. Es ist straff, fast schon sportlich. Wankbewegungen kennt der Juke nicht, eher verrutscht man selbst auf dem Fahrersitz. Es klappert nicht und fühlt sich grundsolide an. Abgehakt.

Das CVT-Getriebe im Juke war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Wie in einer Riva Florida gibt es keine einzelnen Schaltstufen, sondern eine variable Übersetzung. Dadurch liegt je nach Gaspedalstellung und Fahrmodus-Auswahl eine Drehzahl an, die trotz Beschleunigung gleichbleibt. Der Motor surrt gleichförmig in derselben Tonlage und der Tacho steigt und steigt. Dabei kommt das hohe Drehmoment im “Normal”-Fahrmodus deutlich besser zur Geltung als im “Sport”-Fahrmodus, bei dem höhere Drehzahlen anliegen, aber das Drehmoment mir deutlich niedriger vorkommt. Durch diese ungewohnte Klang- und Gefühlskulisse erscheint mir der Juke subjektiv nicht ganz so spritzig wie es auf dem Papier steht.

Ein Bekannter, der den Juke mit mir gemeinsam neulich gefahren ist, meinte zu mir, er sei überzeugt vom Fahrzeug. Nach 10 Minuten Fahrt. Auch der Verbrauch wundert ihn nicht wirklich. Aber die Fahrleistungen waren für ihn mehr als ausreichend. Sein “TT mit Quattro verbraucht ja auch deutlich über 10 Liter”. Also alles eine Frage der Betrachtung?

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen Rechte Seite vor alter Fabrik

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen Frontansicht Ganz

Die Meinungen Anderer

 

Wenn wir schon dabei sind: Am Wochenende ist, da ich bei der Audi A3 Präsentation war, Melegim das Auto ausgiebig gefahren. Anders als es bei mir der Fall ist, gehen bei ihr oft Leute auf sie zu. Nach dem Wochenende schwärmte sie davon, wie begeistert die Leute von dem Auto sind. Ob Leute direkt vor der Haustür auf sie zukommen und sich über das Auto erkundigen oder eine Bekannte von ihr an der Tankstelle so begeistert ist, dass sie sich das Fahrzeug von außen und innen vorführen lässt um dann mit dem Kommentar zu schließen “Tolles Auto. Könnte ich mir echt vorstellen zu fahren”. Der Juke ist anders und das kommt bei den Menschen auch so an. Dass es immer Frauen sind, dem messe ich keine Bedeutung zu. Schließlich habe ich ja selbst geschrieben, dass Frauen den besten Autogeschmack haben. Mir gefällt der Juke auch außerordentlich gut.

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen Heckleuchtendesign Nahaufnahme

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen eingeschaltete Scheinwerfer in Tiefgarage

Crossover Design

 

An den Felgen und Reifen würde ich etwas machen. Schnell denkt man an den Juke-R als Vorbild. Ansonsten finde ich das Design des Juke durch die Bank gelungen. Die runden Scheinwerfer hab ich auf der Autobahn aus rein optischen Gründen immer an, die in der Tür verborgenen Türgriffe hinten lassen ihn wie einen Dreitürer dastehen und die abfallende Dachlinie tut ihr eigenes um dem Juke eine coupéhafte Silhouette zu verschaffen. Die pausbäckigen Radhäuser passen zum kleinen feinen Äußeren und bieten bei dem Blick von hinten über die Heckleuchten nach vorne eine kraftvolle Seitenlinie, die locker einen Sportwagen hinter der Linienführung vermuten lässt. (Siehe Bild oben) Ich sage es oft: Mutiges Design muss belohnt werden und der Juke lässt sich designtechnisch in keine Schublade stecken.

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen Hinten Rechts ganzes Fahrzeug

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Außen Vorne Detailaufnahme Kühlergrill

Sobald man in den Juke einsteigt bemerkt man die Mittelkonsole im “Motorradtank-Design”, in Außenfarbe lackiert und formschön beherbergt sie Schaltung, Handbremse und zwei Cubholder. Die Ledersitze mit Kontrastnähten werten den Innenraum noch zusätzlich auf (sie bieten allerdings zu wenig Seitenhalt). Einzig die Haptik des Plastiks auf dem Armaturenbrett konnte mich nicht begeistern.

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Innen Mittelkonsole Motorradtank lackiert

Entertainment und vor allem: Leichte, intuitive Bedienung

 

Da können sich viele eine Scheibe von abschneiden. Was die Bedienung angeht, gibt der Juke keine Rätsel auf. Der Touchscreen zur Bedienung der Multimediafunktionen ist vielleicht technisch etwas angestaubt, doch ist die Menuführung ausgereift und führt schnell zum Ziel. Handy per Bluetooth koppeln? Drei Klicks auf verständliche Buttons und man wird gebeten am Handy nach dem Juke zu suchen und als Code 1234 einzugeben. So einfach kann’s gehen. Ich hatte keine einzige Fehlbedienung, sondern kam immer auf Anhieb dort hin, wo ich hinwollte.

Das absolute Highlight was die Bedienung angeht – das schon revolutionäre Feature in Sachen Usability – sind die Tasten (plus Display) im unteren Bereich. Hier lassen sich die Fahrmodi und die Klimaanlage steuern. Die Tasten ändern nämlich je nach Modus die Funktion, sie sind also mehrfach belegt. Doch auch die Beschriftung der Tasten ändert sich. Da das eventuell schwer verständlich ist, gibt es am Ende des Artikels noch ein Video dazu. Einfach auf die Tasten achten!

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Innen Innenraum vorne und hinten mit Kindersitz, Isofix

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Innen Innenraum Armaturenbrett

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Innen Lenkrad Tacho Drehzahlmesser Armaturen

Last words?

 

Ich habe den Juke gerne gefahren. Ich würde die manuelle Schaltung bevorzugen und auch mal dem Diesel eine Chance geben. Doch für eine junge Familie bietet er alles was man sich wünschen kann. In einem Satz zusammengefasst klingt es dann fast schon klischeehaft: Aussen klein, Innen groß.

Etwas detaillierter: In der Stadt fühlt sich der Juke aufgrund seiner Dimensionen richtig wohl, Komfortfeatures wie die Rückfahrkamera machen die Handhabung zusätzlich einfacher. Auch die extrem leichtgängige Lenkung, die auf der Landstraße kaum Gefühl vermittelt, ist in der Stadt ein Pluspunkt. Einparken und manövrieren mit einem Finger. Die hinteren Türen sind sehr kurz und lassen sich deswegen auch in engen Parklücken ganz öffnen, um an den Kindersitz zu kommen – der bequem Platz findet (Siehe Foto). Vorne und Hinten ist mehr als genug Platz für Passagiere. Der Einstieg gestaltet sich mehr als einfach da die Sitze exakt auf Hüfthöhe sind. Was will man von solch einem kleinen, stylishen Auto mehr?

Weitere Fahrberichtempfehlungen zum Juke:
Sebastian von Passion: Driving,
Moritz vom Automobil-Blog und Björn bei die-testfahrer. Jens von rad-ab fährt übrigens mit dem Juke über eine Kamera.

Nissan Juke 2012 Tekna 1.6 Rot: Das Testfahrzeug, Fazit, Urteil

16 Gedanken zu “Fahrbericht Nissan Juke TEKNA 1.6: Motorboot für die City

  1. Schöner Bericht :) Diese Knöpfe mit umschaltbarer Beschriftung fand ich auch ein echt cooles Gimmick.

    Ansonsten, wie immer: fantastische Fotos!

  2. Dankeschön Sebastian! Kannst mir ja auch verraten ob sich meine Beobachtungen mit deinen decken? Du bist der deutlich Fahrwerk- und Motoraffinere von uns beiden so wie ich das sehe.

  3. Also in Sachen Fahrwerk sind wir völlig einer Meinung: da hatte mir der Juke richtig Spaß gemacht – würde ich auch als sportlich bezeichnen. Den Motor habe ich leider nicht mehr so gut in Erinnerung. Ich weiß, dass er nicht unbedingt negativ auffiel, er fühlte sich angenehm spritzig an, aber ob er schwächer war, als erwartet… ich weiß es leider nicht mehr ;)

  4. Ich würde wirklich gerne zum vergleich den Diesel fahren – auch wenn ich ja so gar kein Diesel-Freund bin…

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  6. Pingback: Noch ein Juke-Tester, glücklich? | Mein Auto Blog

  7. Tolle Fotos,der Juke ist wirklich was fürs Auge,auch wenn viele das ganz anders sehen. Nach 10 000 km liegt der Verbrauch bei meinem Fahrzeug (CVT;AWD) zwischen 8,0-8,5 l/100km. Wenns nur langsam vorwärts geht (max.70-80 kmh) kommt man auch mal auf 7,5 l herunter. Der Juke ist vor allem im Sprint (60-100 km in 4,1 Sek) ziemlich fix.
    Auf den Rücksitzen ist der Platz doch recht eingeschränkt, für grössere Erwachsene auf Langstrecken sicher nicht empfehlenswert. Den Kofferraum sollte man sich vor dem Kauf auch genau anschauen, ca. 250 l ist knapp bemessen. Aber, Juke fahren ist der pure Spaß…..!

  8. Ein sehr schöner Bericht mit klasse Bildern!
    Ich hörte kürzlich schon mal von diesen Getrieben, kann mir aber nur bedingt vorstellen, wie das auf den Fahrer wirkt.
    Das stufenlose Fahren kenne ich ja aus dem Nissan Leaf. Da gewöhnt man sich schnell dran. Aber ich habe halt kein sonores Geräusch.

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