Testbericht Bowers&Wilkins P5 Kopfhörer für Unterwegs

Bowers&Wilkins B&W P5 mit Sony Xperia S Teaser

Ich habe ja bereits das eine oder andere Mal Artikel zum Thema audiophile Wiedergabe und HiFi im Allgemeinen verfasst. Neben Autos ist meine Band und das Hören von Musik mein liebstes Hobby. Selbstverständlich spielt deswegen die Qualität der Musikwiedergabe in Autos auch eine entscheidende Rolle in meinen Berichten. Doch wie es sich eben begibt pendle ich die 40km nicht mit dem Auto sondern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Und da sind mein Smartphone, ein gutes paar Kopfhörer und ein netter Roman die unerlässlichen Utensilien. Seit gut zwei Wochen hatte ich jetzt die Gelegenheit die B&W Mobile Hi-Fi Kopfhörer testen. Ich würde mal behaupten sie sind als “mobile High-End” anzusehen, bei einem Kaufpreis von gut 300,- Euro.

 

 

 

Bowers&Wilkins B&W P5 mit Sony Xperia S Verpackung

Zufällig habe ich quasi zeitgleich mein inzwischen veraltetes HTC Desire gegen das gerade frisch erschienene Sony Xperia S gewechselt – das erste Smartphone nach der Trennung von Sony und Ericsson, das erste das nur unter dem Label Sony erschienen ist. Das Design hatte es mir schon seit geraumer Zeit angetan und über die technischen Daten brauchen wir uns kaum unterhalten. Wie dem auch sei: Das Xperia S soll hier nicht getestet werden, aber ihr sollt wissen dass es im Test als “Spielpartner” für die P5 dient.

Bowers&Wilkins B&W P5 Inhalt der Verpackung

In der edlen Verpackung findet sich folgender Inhalt:

  • Kopfhörer
  • Tasche
  • Kabel mit Fernbedienung
  • Kabel ohne Fernbedienung
  • 3,5mm auf 6.5mm Adapter
  • Bedienungsanleitung

Bowers&Wilkins B&W P5 Großansicht Nah

Mit dem Kabel inkl. Fernbedienung wollte mein Xperia dann direkt mal nicht zusammenspielen. Also die magnetisch angebrachte Ohrmuschel abnehmen und dahinter das Kabel ausstecken. Hier merkt man den P5 direkt die hochwertige Verarbeitung an: Um den Stecker zu tauschen drückt man mit dem Finger leicht an die Buchse, die sich daraufhin ein wenig nach draußen hebt um einen leichteren Wechsel zu ermöglichen.

Ohrmuschel wieder dran und angeschlossen: Es funktioniert! Die Ohrmuscheln sind aus einem äußert weichen und flexiblen Material. Man will eigentlich direkt damit kuscheln :) Dadurch liegen sie dicht an den Ohren an obwohl sie natürlich nicht die Ohren umschließen sondern darauf sitzen. Selbst ohne Musik dringen nur wenige Außengeräusche ans Ohr.

Was die Optik angeht kann ich versichern: Im Vergleich zu vielen anderen Konkurrenten sind die P5 fast schon dezent. Sie stehen nicht weit ab vom Kopf – Das ist etwas was mich sonst bei Bügelkopfhörern immer stört – sondern umschließen eng den Kopf und sind dadurch schön unauffällig. Und das trotz tollem Materialmix (sie liegen schwer in der Hand) und einem wunderbar filigranen Design.

Bowers&Wilkins B&W P5 Detailaufnahmen

Aber es soll hier jetzt um den Klang gehen.

Zuerst war ich enttäuscht. Klingt ja irgendwie nicht besonders, hmm. Doch langsam! Bei einem solchen Kopfhörer ist ein guter Equalizer unumgänglich um ein für den persönlichen Geschmack passendes Klangbild zu erzielen (10 Band minimum). Mit dem habe ich dann auch mal locker 2 Stunden verbracht, immer wieder unterschiedliche Musik gehört, besser gesagt meine “Referenzklassiker”, und noch ein wenig etwas verändert. Nach einer ICE-Fahrt von Frankfurt nach Köln ein paar Tage später hatte ich dann einen glücklichen Mittelweg gefunden. Das ist bei den unterschiedlichen Soundqualitäten verschiedener Bands gar nicht so leicht.

Nachdem der Equalizer dann eingestellt war, war ich soweit die B&W P5 endlich wirklich zu beurteilen.

Dabei habe ich mir insbesondere folgende Alben angehört, ein Querschnitt aus verschiedenst gemasterten Alben:

  • Pink Floyd – Echoes
  • Metallica – Black Album
  • Tool – Aenima
  • Anouar Brahem – Le Pas Du Chat Noir
  • Miles Davis – Kind Of Blue
  • Agua De Annique – Air
  • The Human Abstract – Digital Veil
  • Crippled Black Phoenix – (Mankind) The Crafty Ape
  • Katatonia – Night Is The New Day
  • Everclear – In A Different Light
  • Opeth – Ghost Reveries

Wie ihr seht ist von stimmlastig (Agua De Annique) über akustisch (Everclear) bis hin zu hammerhart alles dabei. Mit der härteren Gangart habe ich angefangen und schnell festgestellt dass verzerrte Gitarren mir etwas zu komprimiert klingen, es fehlt ihnen die Luft und der nötige Raum. Stellenweise sind sie dadurch deutlich zu präsent im Vergleich zu den anderen Instrumenten. Dafür lässt sich die Bassgitarre jederzeit exakt heraushören, klar differenziert von den tieferen Frequenzen der Gitarren. Dasselbe gilt für die Bassdrum. Sie ist präzise und kickt ordentlich ohne dass die Wiedergabe schwammig wird. Die Toms klingen so wie sie in echt auch klingen ohne platt zu klingen, die Becken sind stellenweise wieder zu indifferenziert. Auch wenn bei dieser Musikrichtung das untere Frequenzband richtig Laune macht trübt die Wiedergabe der angezerrten Gitarren das Hörerlebnis sehr.

Das ist eine Beobachtung die ich bei Metal- oder Rockmusik oft mache. Hier sollte aber angemerkt werden dass es bei hochwertigem Audioequipment oft ein Problem mit, sagen wir mal, auf “Power” gemasterten Alben gibt. Je besser das Equipment mit dem man hört ist, desto schonungsloser werden Fehler im Mastering offengelegt. Schließlich zeichnen sich gute HiFi-Komponenten durch eine originalgetreue Wiedergabe aus. Die meisten Leute hören die Musik jedoch auf Anlagen die diesem Anspruch nicht gerecht werden, entsprechend wird versucht im Mastering den Sound für Anlagen mit dünner Wiedergabe “aufzupumpen”. Da ich besonders gerne Metal höre ist das auch ein Grund warum ich bei meiner Anlage zuhause downsizing betrieben habe. Das audiophile Equipment das ich vorher hatte besaß zum Beispiel – wie inzwischen in diesem Bereich üblich – keine Loudness-, Höhen- oder Tiefenregler. Was bei tollen Jazzaufnahmen ideal ist, weil man die Musik so hört wie die Künstler es wollten, funktioniert bei solcher Musik leider nicht.

Deswegen ging es direkt danach auch weiter zu deutlich besserem Material. Einen Zwischenschritt markierte das Album von Everclear, hier exemplarisch für “Pop”-Mastering. Es klingt überall und immer vernünftig. Ich war dann doch ein wenig verblüfft dass es ausgerechnet dieses Album ist dem ich etwas neues abgewinnen konnte: Die akustischen Gitarren klangen nicht nur vollkommen realistisch, sondern man konnte ihr Volumen regelrecht ertasten. Sehr vollmundig und absolut stimmig gingen die P5 hier ans Werk und zusammen mit der tollen Stimme von Art Alexakis fühlte man sich regelrecht mit ihm in einen Raum versetzt. Die Bühnenstaffelung wurde klar wiedergegeben und mir stellten sich die Nackenhaare auf, besonders bei “Wonderful”.

Gut, von hier weiter zu den Alben, die deutlich besser aufgenommen sind. Natürlich sind das meist ältere Alben aus analogen Zeiten. Miles Davis und Pink Floyd zum Beispiel. Auch das Album von Agua De Annique zählt zu dieser Rige, genauso wie das Jazzalbum des Oud-Spielers Anouar Brahem – selbst wenn diese zwei deutlich neuer sind.

Hier liegt eindeutig die Stärke der P5. Vorausgesetzt sie erhalten erstklassiges Material vom Zuspieler zeigen sie was möglich ist. Den Vergleich mit meinen Sennheiser HD580 – diese besitzen eine offene Bauweise, wohlgemerkt! – brauchen sie hier nicht scheuen. Es geht ihnen nie die Luft aus, stets werden die Instrumente glaskar wiedergegeben. Die warmen, leicht angezerrten Gitarrensounds von Pink Floyd erklingen im Raum stehend, mit viel Freiraum drum herum. Bei solcher Musik klingen dann die Becken so wie sie sollen und müssen, das Abschwellen/Nachklingen dieser hört man eine halbe Ewigkeit, ohne dass dadurch andere Instrumente überlagert werden. Das Bühnenbild zeichnet sich genau ab, die Musiker stehen klar getrennt vor einem. Geprägt von einem weiten Stereofeld. Hab ich schonmal gesagt dass ich ein absoluter Feind von Mehrkanalanlagen bin? Den Grund kann man erfahren wenn man einmal solche Aufnahmen im Zusammenspiel mit guten Lautsprechern erlebt hat. Wenn alles zusammenpasst und die Zahnrädchen ineinandergreifen lässt sich mit Stereo eine Bühne darstellen die genau so klingt, wie wenn die Musiker wirklich da wären. Erfahrungsgemäß funktioniert das mit Kopfhörern sogar noch besser da hier nichts auf den Hörplatz ausgerichtet werden muss.

Es klingt für mich fast schon traurig, aber immer wenn ich auf solchen Komponenten Musik höre überlege ich ob ich nicht einfach meinen Musikgeschmack ändern sollte. Einfach um mit solchem Hörgenuss Musik hören zu können.

Ein Problem muss jedoch erwähnt werden: Wer gerne laut Musik hört, der wird mit den P5 durchaus seinen Sitzplatznachbarn in der Bahn ärgern. Die Musik ist ab einer bestimmten (hohen) Lautstärke klar von außen hörbar. Hier bleiben InEar-Kopfhörer aktuell die einzige Möglichkeit. Oder aber die AKG K 518 LE, die jedoch aufgrund eines viel zu hohen Anpressdrucks am Ohr für mich nicht in Frage kommen – und den P5 deutlich unterlegen sind.

Bowers&Wilkins B&W P5 mit Sony Xperia S Mood Aufnahme

Nach ein paar Tagen mit den P5 habe ich mal den Wechsel zu meinen Sennheiser In-Ear Kopfhörern probiert – ich weiss, die beiden lassen sich nicht vergleichen. Trotzdem: Es war dieses ermattende Gefühl mal wieder so lange Musik gehört zu haben und dabei soviel verpasst zu haben, im Vergleich zu den P5. Und nicht mehr zurück zu wollen. Bleibt also zu sagen: Once you turn B&W P5, there’s no turning back! ;)

Technische Daten findet ihr auf der Microsite: B&W P5

Bowers&Wilkins B&W P5 mit Sony Xperia S Display An

2 Gedanken zu “Testbericht Bowers&Wilkins P5 Kopfhörer für Unterwegs

  1. Pingback: Probehören iPhone Edel-Headset: C5 von Bowers & Wilkins

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